Private Wohltätigkeit ist unbestreitbar ein Trend. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es mehr gemeinnützige Stiftungen, die in mehr Ländern über mehr Mittel verfügen, als jemals zuvor. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren des Buchs “Global Civil Society”. Die britische Zeitschrift The Economist sah vor einigen Jahren sogar ein “goldenes Zeitalter der Philanthropie” anbrechen.

Zeitgleich zur Spendenbereitschaft des kleinen Mannes wächst auch die derer, die einen etwas größeren Geldbeutel ihr Eigen nennen. So hat Bill Gates Stand jetzt fast 30 Milliarden Dollar in seine Gates Foundation gesteckt. Und nicht nur das: Laut eigener Aussage will Gates bis zu seinem Tod 90 bis 95 Prozent seines Gesamtvermögens spenden. Seine Kinder werden nur 0.02 Prozent davon erben – nun gut, das sind immer noch 10 Millionen Dollar.

Darüberhinaus legt Gates auch Wert darauf, andere zum spenden zu animieren – nicht den einfachen Mann von der Straße, sondern die, die es sich leisten können. So startete er zusammen mit Investorenlegende Warren Buffett 2010 die Initiative The Giving Pledge – vier Jahre später hatten sich dieser Wohltätigkeitsorganisation laut Forbes über 100 US-Milliardäre angeschlossen.

Zu persönliche Brille?

Die Bereitschaft und der Wille, mit dem erworbenen Vermögen denen zu helfen, die womöglich unverschuldet zu wenig zum leben haben, ist also da – mit steigender Tendenz. Alles gut und schön, könnte man meinen. Es gibt allerdings auch Kritiker.

Diese beziehen sich meist darauf, dass Wohltätigkeit so der Willkür von einigen wenigen Superreichen unterliegt. Vereinfacht gesagt unterstellen sie Menschen wie Gates, dass diese etwa als Reaktion auf eine Krebserkrankung ihrer Frau sehr viel Geld an die Krebsforschung spenden könnten. Andere behaupten, dass nicht alle Projekte der Stiftungen so wohltätig seien wie es auf den ersten Blick wirke. Vielmehr verträten die Spender handfeste wirtschaftliche Eigeninteressen.

Keine Ausreden für Untätigkeit

Das mag sogar sein. Dennoch kann niemand bestreiten, dass die Aktivitäten der Gates Foundation im Bereich Gesundheit handfeste Erfolge bewirkt haben. Ob dies Initiativen auf staatlicher Ebene, die die Kritiker privater Wohltätigkeit fordern, auch gelingen könnte, darf sehr wohl ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Was Effektivität und Effizienz angeht, sind staatliche Institutionen den Beweis ihrer Überlegenheit gegenüber (oder auch nur Gleichwertigkeit mit) privaten Investoren bisher leider schuldig geblieben.

So ist die großzügige Spendenbereitschaft unter vielen Millionären und Milliardären auch einer gewissen Ungeduld geschuldet. Seit Jahrzehnten reden Politiker über die Probleme der Welt: Gesundheit, Armut, Hunger. Doch passiert ist so gut wie nichts. Die Untätigkeit – und in vielen Fällen wohl auch Unfähigkeit . der Regierungen bewegt erfolgreiche Unternehmer dazu, selbst aktiv werden zu wollen.

Natürlich setzen sie dabei Prioritäten. Das kann man ihnen vorwerfen – oder man kann einsehen, dass auch staatliche Stellen keineswegs neutral oder unabhängig vorgehen. Eigene Interessen oder Vorlieben können bei keiner Form der Wohltätigkeit ganz und gar vermieden werden. Daher ist es viel wichtiger, dass überhaupt etwas unternommen wird.Und wer könnte das besser gewährleisten als jemand, der ein weltweit erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat?