Jeder kennt das Gefühl. Es ist vom Grad des Amüsements irgendwo zwischen Zahnarztbesuch und Glatteis auf der Autobahn anzusiedeln. Aber einmal im Jahr muss es sein. Einmal im Jahr muss die Steuererklärung abgegeben werden. Da hilft höchstens einer: Der Steuerberater.

Nicht umsonst sagt man, im Leben seien nur zwei Dinge sicher. Der Tod – und die Steuer. Über beides denkt man nicht so gerne nach. Beides erscheint unausweichlich. Gut, im ersten Fall mag das tatsächlich naturgegeben sein. Doch Steuern? Diese Zwangsabgaben sind eindeutig menschengemacht – und keineswegs natürlich, gottgegeben oder nicht veränderbar.

Man könnte zum Beispiel komplett auf Steuern verzichten. Das hört sich vielleicht erstmal sehr verführerisch an. Allerdings nur, bis man daran denkt, dass auch in einer starken Marktwirtschaft gewisse Aufgaben an den Staat fallen. Welche genau, darüber lässt sich streiten. Aber ein Staat, der  über keinerlei finanzielle Mittel verfügt, wäre nicht handlungsfähig, und damit nicht in der Lage, die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Wirtschaften zu gewährleisten.

Freier Wille statt Zwang

Die Steuern einfach abzuschaffen, ist daher keine Lösung. Eine andere Idee wäre es aber, das bisherige, auf Zwang beruhende System der Steuereintreibung abzuschaffen – und das von oben verordnete Nehmen durch ein freiwilliges Geben zu ersetzen. Genau das hat 2010 der angesehene Philosoph Peter Sloterdijk gefordert – und wurde dafür, erwartbarerweise, in sämtlichen Feuilletons des Landes in Grund und Boden kritisiert.

Aber warum eigentlich? Die Kritiker seiner Idee, dass der Staat es in Zukunft jedem freistellt, so viel an Steuern zu bezahlen, wie er für angemessen hält, gehen offenbar von einem sehr verbreiteten, negativen Menschenbild aus. Demzufolge ist der Mensch – etwas vereinfacht ausgedrückt – von Natur aus schlecht. Er muss durch äußeren Zwang dazu bewegt werden, Gutes zu tun.

Dieses Menschenbild ist nicht nur sehr pessimistisch – es ist auch in vielen Fällen mittlerweile empirisch widerlegt. So gibt es beispielsweise das erfolgreiche Konzept der Weinereien. Kurz gesagt sind das Restaurants, in denen jeder bezahlt, was er für den angemessenen Preis hält. Die Pessimisten müssten vor Schreck aufschreien und davon ausgehen, dass diese Läden nach spätestens einem Jahr pleite sind. Das Gegenteil ist der Fall. Untersuchungen zeigen, dass viele Gäste sogar mehr geben als sie per normaler Rechnung bezahlen müssten.

Homo oeconomicus hat ausgedient

In der Wissenschaft ist das Modell des homo oeconomicus, der jede Entscheidung nur unter Berücksichtigung eines kurzfristigen Nutzens für sich selbst trifft, längst überholt. Studien zeigen vielmehr, dass Menschen durchaus bereit sind, freiwillig etwas von ihrem Hab und Gut abzugeben – wenn sie denn den Eindruck haben, dass dieser Akt auch etwas Gutes bewirkt.

Und genau an diesem Punkt könnte ein Steuersystem, das auf Freiwilligkeit beruht, ungeahnte Kräfte freisetzen. Es ist nicht einmal unwahrscheinlich, dass dadurch mehr Steuern eingenommen würden als mit dem bisherigen Verfahren, das auf Zwang und Strafe setzt. Zur Erinnerung: Laut Schätzungen entgehen dem Staat in Deutschland jedes Jahr etwa 100 Milliarden Euro Einnahmen durch Steuerhinterziehung. Dies ist nicht nur das Ergebnis persönlicher Gier, sondern auch die zum Teil verständliche Reaktion auf einen oft verschwenderischen Umgang mit Steuergeldern. Laut dem Bund der Steuerzahler hat der deutsche Staat im Jahr 2017 mindestens 30 Millionen Steuern verschwendet.

Genau da würde ein freiwilliges Steuern- und Abgabensystem eine ganz andere kontrollierende Wirkung entfalten. Ein Staat, der seine Bürger davon überzeugen muss, dass er ihre Steuergelder für sinnvolle und wichtige Zwecke verwendet, wird weit größere Vorsicht und Achtsamkeit beim Ausgeben walten lassen. Bisher wird dazu kein Anreiz geschaffen: Die Steuereinnahmen beruhen nicht auf dem Vertrauen, dass die Bürger dem Staat entgegenbringen, sondern auf Zwang.

Wenn uns die Geschichte eines lehrt, dann doch folgendes: Zwang mag in manchen Fällen sehr effektiv sein – er übertrifft niemals die Produktivkraft, die durch Eigenverantwortung und selbstbestimmtes Handeln freigesetzt wird. Die Frage ist nur: Sind wir mutig genug dafür? Oder bleiben wir lieber bei einem auf Pessimismus und Kleingeistigkeit beruhenden Zwangssystem, einfach nur, weil wir es schon immer so gemacht haben?

Der vom Menschen verursachte Klimawandel beschäftigt viele. Und damit sind hier nicht diejenigen Verschwörungstheoretiker gemeint, die ihn nicht wahrhaben wollen. Dazu hat die weitaus überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler alles gesagt. Die seit rund 150 Jahren andauernde Industrialisierung und ihre Folgen haben einen nicht zu leugnenden Einfluss auf die globale Erwärmung.

Seine Existenz streitet niemand ab, der ein gewisses, gut begründetes Vertrauen in die Naturwissenschaft hat. Das gilt auch für die meisten Regierungen. Fast alle – von einige, sagen wir mal, Exzentrikern abgesehen – sind sich einig: Es muss etwas geschehen. Nur: Was?

Das Paradoxe ist: Die Lösungen liegen alle auf dem Tisch. Die meisten Beteiligten kennen sie. Und akzeptieren sie. Passieren tut jedoch: Wenig. Wie kann das sein? Das Bewusstsein für das Problem ist da. Vorschläge zur Lösung ebenfalls. Aber niemand bewegt sich.

Kein Mysterium

Diese vermeintliche Widersprüchlichkeit hat natürlich ihre Ursachen. Sie ist kein Mysterium, sondern durchaus rational und logisch erklärbar. Ein Hauptgrund dürfte sein, dass es in der Geschichte der Menschheit ein ähnliches Problem bisher nie gegeben hat – jedenfalls nach allem, was wir über unsere Vorfahren wissen. Noch nie war es nötig, zur Beseitigung eines Problems die Kooperation aller oder doch der allermeisten Staaten weltweit zur erwirken.

Doch das ist noch nicht alles. Der Teufel steckt im Detail. Zum Beispiel in folgendem: Die am höchsten entwickelten Länder tragen am meisten zum Klimawandel bei, werden aber allen Prognosen zufolge am wenigsten mit den Auswirkungen zu kämpfen haben. Das senkt natürlich ihre Bereitschaft, harte Maßnahmen zu treffen.

Und es kommt noch schlimmer – oder wenigstens komplizierter. In ihrem Versuch, das Niveau der hochentwickelten Länder zu erreichen, können die unterentwickelten Länder kaum auf innovative, klimafreundliche Technologie zurückgreifen. Sie haben schlicht nicht die Mittel dafür. Ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist.

Pessimistisch oder optimistisch?

Was könnte den Durchbruch bringen? Darauf gibt es (mindestens) zwei mögliche Antworten. Eine pessimistische, die besagt, dass es erst zu großen Katastrophen kommen muss, die vielen Menschen anschaulich machen, wie der Klimawandel ganz konkret ihre Lebensqualität bedroht. Das ist in der Konsequenz allerdings zynisch. Es bedeutet so viel wie: Sollen ruhig ein paar verheerende Sturmfluten kommen, die tausende Menschenleben fordern – Hauptsache, die Leute wachen endlich auf.

Das ist unschwer als die typisch deutsche, schwermütige Variante erkennbar. Eine positive Antwort dagegen lautet: Innovation. Nicht Schadensbegrenzung, sondern ein offensiver, mutiger Umgang mit dem Thema. Denken wir nur an Elon Musk und Tesla. Trotz aller Schwierigkeiten, die der Autohersteller noch haben mag, kann genau in dieser Herangehensweise die Lösung bestehen. Unternehmergeist ist das mit Abstand produktivste, das wir in den letzten Jahrzehnten, ach was, Jahrhunderten erlebt haben. Wahrscheinlich ist es am besten, auch dieses Mal darauf zu vertrauen.

 

 

Private Wohltätigkeit ist unbestreitbar ein Trend. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es mehr gemeinnützige Stiftungen, die in mehr Ländern über mehr Mittel verfügen, als jemals zuvor. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren des Buchs “Global Civil Society”. Die britische Zeitschrift The Economist sah vor einigen Jahren sogar ein “goldenes Zeitalter der Philanthropie” anbrechen.

Zeitgleich zur Spendenbereitschaft des kleinen Mannes wächst auch die derer, die einen etwas größeren Geldbeutel ihr Eigen nennen. So hat Bill Gates Stand jetzt fast 30 Milliarden Dollar in seine Gates Foundation gesteckt. Und nicht nur das: Laut eigener Aussage will Gates bis zu seinem Tod 90 bis 95 Prozent seines Gesamtvermögens spenden. Seine Kinder werden nur 0.02 Prozent davon erben – nun gut, das sind immer noch 10 Millionen Dollar.

Darüberhinaus legt Gates auch Wert darauf, andere zum spenden zu animieren – nicht den einfachen Mann von der Straße, sondern die, die es sich leisten können. So startete er zusammen mit Investorenlegende Warren Buffett 2010 die Initiative The Giving Pledge – vier Jahre später hatten sich dieser Wohltätigkeitsorganisation laut Forbes über 100 US-Milliardäre angeschlossen.

Zu persönliche Brille?

Die Bereitschaft und der Wille, mit dem erworbenen Vermögen denen zu helfen, die womöglich unverschuldet zu wenig zum leben haben, ist also da – mit steigender Tendenz. Alles gut und schön, könnte man meinen. Es gibt allerdings auch Kritiker.

Diese beziehen sich meist darauf, dass Wohltätigkeit so der Willkür von einigen wenigen Superreichen unterliegt. Vereinfacht gesagt unterstellen sie Menschen wie Gates, dass diese etwa als Reaktion auf eine Krebserkrankung ihrer Frau sehr viel Geld an die Krebsforschung spenden könnten. Andere behaupten, dass nicht alle Projekte der Stiftungen so wohltätig seien wie es auf den ersten Blick wirke. Vielmehr verträten die Spender handfeste wirtschaftliche Eigeninteressen.

Keine Ausreden für Untätigkeit

Das mag sogar sein. Dennoch kann niemand bestreiten, dass die Aktivitäten der Gates Foundation im Bereich Gesundheit handfeste Erfolge bewirkt haben. Ob dies Initiativen auf staatlicher Ebene, die die Kritiker privater Wohltätigkeit fordern, auch gelingen könnte, darf sehr wohl ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Was Effektivität und Effizienz angeht, sind staatliche Institutionen den Beweis ihrer Überlegenheit gegenüber (oder auch nur Gleichwertigkeit mit) privaten Investoren bisher leider schuldig geblieben.

So ist die großzügige Spendenbereitschaft unter vielen Millionären und Milliardären auch einer gewissen Ungeduld geschuldet. Seit Jahrzehnten reden Politiker über die Probleme der Welt: Gesundheit, Armut, Hunger. Doch passiert ist so gut wie nichts. Die Untätigkeit – und in vielen Fällen wohl auch Unfähigkeit . der Regierungen bewegt erfolgreiche Unternehmer dazu, selbst aktiv werden zu wollen.

Natürlich setzen sie dabei Prioritäten. Das kann man ihnen vorwerfen – oder man kann einsehen, dass auch staatliche Stellen keineswegs neutral oder unabhängig vorgehen. Eigene Interessen oder Vorlieben können bei keiner Form der Wohltätigkeit ganz und gar vermieden werden. Daher ist es viel wichtiger, dass überhaupt etwas unternommen wird.Und wer könnte das besser gewährleisten als jemand, der ein weltweit erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat?

Wie klingt das: Arbeiten, arbeiten, arbeiten, sparen, sparen, sparen – und mit 40 in Rente gehen? Die Antwort auf diese Frage wird je nach Temperament und Charakter des Befragten unterschiedlich ausfallen. Für die einen mag es wie das Paradies erscheinen. Andere bekommen angesichts der Vorstellung, ab der Hälfte des Lebens plötzlich nur noch Freizeit zu haben, womöglich Beklemmungen.

Jedenfalls gibt es dieses Lebensmodell. Es hat sogar einen Namen: Frugalismus. Das leitet sich von frugal ab, was sich mit “bescheiden, mäßig” übersetzen lässt. Frugalisten leben sparsam. Einen großen Teil ihres Einkommens geben sie nicht aus, sondern sparen ihn für später. Wobei sparen meist das falsche Wort ist: Sie investieren ihn, oft in langfristige Anlageformen wie Investment- oder Indexfonds.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Anstatt sich also von den Früchten ihrer Arbeit gleich etwas zu gönnen – einen spontanen Trip auf die Malediven, eine sündhaft teure Armbanduhr oder ein kostspieliges Essen in einem Sternerestaurant – setzen Frugalisten auf die nahe Zukunft. Sie leben in der Gewissheit, schon mit Anfang oder Mitte 40 nicht mehr arbeiten zu müssen.

Es klingt fast ein wenig religiös: Erst verzichten, bescheiden sein und fleißig – und als Belohnung dann das Paradies. Doch die meisten Frugalisten sind weder religiös angehauchte Spinner noch verklemmte, lustfeindliche Geizkragen. Sie rechnen nüchtern aus, wie sie es schaffen, schon ab der Mitte des Lebens nicht mehr auf regelmäßige Lohn- oder Gehaltszahlungen angewiesen zu sein. Im Grunde streben sie nach einem menschlichen Urtraum. Dem Wunsch, unabhängig zu sein. Keinen Chef mehr über sich zu haben, keine Angestellten unter sich, keine Verantwortung, außer für sich selbst.

Folge des globalen Finanz- und Wirtschaftskrise

In ihrer Vorgehensweise, nicht so viel wie nur irgend möglich an Besitz anzusammeln, sondern im Gegenteil sparsam und bescheiden zu sein, spiegelt sich eine gewisse Skepsis wider. Eine Skepsis, die nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 recht weit verbreitet ist. Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg schrumpfte das reale Bruttoinlandsprodukt der Industriestaaten. Das gab Ahnung davon, dass materieller Wohlstand nicht immer die Sicherheit gewährt, die man ihm gemeinhin zuschreibt. Dass letztlich alles vergänglich ist und selbst immens große Vermögen in wenigen Sekunden verschwunden sein können.

Mit dieser Erkenntnis kann man zu ganz unterschiedlichen Lösungsansätzen kommen. Anstatt in Fatalismus und apokalyptische Untergangsphantasien zu verfallen, kalkulieren die Frugalisten ganz rational, wie sie mit dieser nicht vermeidbaren Unsicherheit umgehen. Sie entscheiden sich dafür, auf der Basis von Wahrscheinlichkeit das beste Ergebnis herauszuholen. Allemal ein produktiver, aktiver Ansatz.

Nicht für jeden etwas

Freilich erfordert diese Herangehensweise gewisse Voraussetzungen. Disziplin, Verzicht und die Bereitschaft, vorauszudenken, statt nur im Augenblick zu leben – all das muss ein erfolgreicher Frugalist mitbringen. Außerdem braucht er ein gewisses Grundwissen, was Geldanlagen angeht. Oder einen sehr guten Berater, der allerdings nicht teuer sein darf.

Und noch eine andere Frage stellt sich in diesem Zusammenhang: Will ich überhaupt mit 40 aufhören zu arbeiten? Anstatt zu sparen, wo es geht, kann man ja auch seine Energie darauf verwenden, eine Tätigkeit zu finden, die einen so erfüllt, dass die Vorstellung von Rente eher abschreckend als verlockend wirkt. Wie eingangs erwähnt, ist es letztlich eine Frage des Temperaments und des Charakters, ob Frugalismus einem als die Lösung aller Probleme oder nur als vorübergehender Hype erscheint.

 

Das Wort Kapitalismus hat im Deutschen einen faden Beigeschmack. Im Land von Marx und Engels, von Liebknecht und Luxemburg, von Wagenknecht und Lafontaine verbinden viele damit negative Assoziationen. Das ist bei unseren angelsächsischen Freunden ganz anders. Dort wird der Begriff selbstbewusst verwendet, als Selbstcharakterisierung eines effektiven, freien Wirtschaftssystems. Nicht ärmliche, ausgemergelte Gestalten aus dem 19. Jahrhundert sieht der Angelsachse vor seinem geistigen Auge, sondern das Hier und Jetzt.

Und dieses Hier und Jetzt sieht, allen Unkenrufen und Untergangsszenarien zum Trotz, nicht so schlecht aus. Jedenfalls dann nicht, wenn man ganz nüchtern auf Zahlen und Fakten schaut anstatt auf gefühlte Bauchwahrheiten zu vertrauen, die so gerne über soziale Medien verbreitet werden. Die Armutsbekämpfung konnte in den letzten vierzig Jahren erhebliche Fortschritte machen – nicht trotz, sondern dank des Kapitalismus.

Extreme Armut halbiert

Das behauptet nicht der Bundesverband der Arbeitgeber oder eine industrienahe Stiftung. Nein, das sind die Ergebnisse des UNO-Milleniumsberichts. Dieser kam schon 2014 zu dem Ergebnis, dass die extreme Armut seit 1990 halbiert wurde. Statt der Hälfte der Weltbevölkerung leben nur noch 22 Prozent von weniger als 1,25 Dollar am Tag. Das sind etwa 700 Millionen Menschen, deren wirtschaftliche Lage sich verbessert hat. Auch die Zahl unterernährter Kinder konnte seit 1990 halbiert werden, von 24 Prozent auf 12.

Diese unbestreitbaren Errungenschaften im Kampf gegen die Armut haben einen ebenso unbestreitbaren Vater: Genau, den Kapitalismus. Denn wir erinnern uns. Was ist 1990 nochmal passiert? Welcher entscheidende Faktor änderte sich? Richtig. Die Mauer war ein Jahr zuvor gefallen, der Ostblock zerbrach, die Sowjetunion ebenfalls. Und mit dem Kommunismus landete sein ineffektives Wirtschaftssystem auf dem Müllhaufen der Geschichte: Die Planwirtschaft.

Selbst in Ländern wie China oder Vietnam, wo die Kommunistischen Parteien bis heute formal an der Macht sind, wurde die sozialistische Schritt für Schritt durch eine freie Wirtschaftsordnung ersetzt. Heute funktioniert die Wirtschaft in beiden Ländern trotz sozialistischem Etikett nach den Prinzipien des Kapitalismus: Leistungsbereitschaft des Einzelnen wird belohnt, Faulheit und Ideenarmut werden bestraft. Das hat zu erstaunlichen Ergebnisse geführt. Der von extremer Armut betroffene Bevölkerungsanteil konnte in China von 60 Prozent auf 12 gesenkt werden.

Zur Sonne, zur Freiheit

Werfen wir einen kurzen Blick auf zwei Gegenbeispiele. In Griechenland und Nordkorea ist die Armut in den letzten Jahren nicht zurückgegangen. Im Gegenteil. Statt zu wachsen schrumpft die Wirtschaftsleistung in beiden Staaten. Sind daran die Banken schuld? Nein. Ineffiziente und übergewichtige Staatsapparate, Korruption und ständige staatliche Eingriffe in die freie Wirtschaft sind es, die verhindern, dass aus den Wachstumschancen in diesen Ländern auch reales Wachstum wird.

Man kann also guten Gewissens behaupten: Die wirkungsvollste Bekämpfung der Armut leistet der Kapitalismus. In einer freien Wirtschaftsordnung werden Kräfte freigesetzt, die in anderen Systemen nicht einmal vage vorstellbar wären. Davon profitieren letztlich alle. Freilich nicht alle im gleichen Maß. Kapitalismus hat nicht zum Ziel, für alle dasselbe Wohlstandsniveau zu erreichen. Das wäre angesichts der großen individuellen Unterschiede in Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft utopisch.

Deshalb stimmt es, dass sich die Unterschiede im Einkommen vergrößern. Kapitalismus bekämpft Armut, nicht Ungleichheit. Und das ist auch gut so. Denn was nützt es irgendwem, wenn alle Menschen auf der Welt genau gleich viel besitzen – aber keiner genug zum Leben hat? Die Politik sorgt zudem dafür, dass dabei faire Bedingungen herrschen und die Spielregeln von allen eingehalten werden. Derart gezügelt gibt der Kapitalismus jedem die Chance auf ein gewisses Lebensniveau. Und das ist in Summe für alle besser als eine falsch verstandene Gleichheit.

“Nur die Mittelmäßigen zeigen sich immer von ihrer besten Seite.” (Jean Giraudoux, Diplomat)

Es stimmt: Du sollst immer dein Bestes geben. Das ist eine absolute Grundvoraussetzung für Erfolg. Es stimmt aber auch: In deiner Performance sind Schwankungen letztlich unvermeidbar.

Es sei denn, du bist immer mittelmäßig. Dann gibt es keine Ausschläge, weder nach oben noch nach unten. Das klingt erstmal stabil. Es klingt aber auch langweilig.

Und es ist vor allem nicht wirklich der Weg zum Erfolg. Denn der Preis dafür, dass du stets auf dem selben Niveau bleibst, ist eben die daraus resultierende Mittelmäßigkeit.

Was viel besser ist: Fehler riskieren, auch mal daneben liegen, aber dadurch die Chance haben, alles zu erreichen – und noch mehr.

„Ändere deine Gedanken, dann veränderst du die Welt.“ (Norman Vincent Peale, Autor)

Du willst die Welt verändern? Gut! Ein Unternehmer sollte stets genau das wollen. Willst du nur deinen eigenen Kontostand verändern, lass es lieber. Dafür gibt es andere Mittel und Wege.

Als Unternehmer brauchst du eine Vision, eine Idee, was du der Welt hinzufügen kannst. Und dazu ist es sehr hilfreich, mit deinen eigenen Gedanken anzufangen.

Denn wir wissen alle, wie es ist. Visionen zu haben, mutig über Grenzen hinauszudenken, wird einem nicht in der Schule beigebracht. Du musst es dir selbst erarbeiten. Du musst mutig über vermeintliche Limits hinausgehen in deinem Denken – und anschließend Taten folgen lassen. Dann kommt die Veränderung ganz von selbst.

„Wer die gleichen Aktien kauft wie alle anderen, hat auch die gleiche Performance.“ (Sir John Templeton, Fondsmanager)

Der Masse zu folgen, ist nie ein besonders guter Ratschlag. Die Börse macht da keine Ausnahme. Natürlich kannst du auf Nummer sicher gehen und dir genau die Aktien holen, die alle anderen auch kaufen.

Nur: Dann wirst du genau die gleiche Performance haben wie alle anderen. Was konkret bedeutet: Eine eher mittelmäßige. Denn die Masse springt gerne auf kurzfristige Trends an, anstatt das große Ganze im Blick zu behalten und langfristig zu denken.

Nur eine Minderheit von Aktionären informiert sich wirklich gründlich und kauft Aktien aus eigener Überzeugung. Sei wie diese Minderheit – wenn du eine außergewöhnliche Performance willst. Und damit wir uns richtig verstehen: Außergewöhnlich heißt hier außergewöhnlich gut!

Wer die Laterne trägt, stolpert leichter, als wer ihr folgt.” (Jean Paul, Schriftsteller)

Führen bedeutet Verantwortung. Es ist leichter, zu folgen, als mutig mit der Laterne in der Hand voran zu gehen.

Und es ist schwerer, sie zu tragen, die Verantwortung, die Lampe. Gerade der Umstand, dass du leichter stolperst, wenn du führst, macht dich angreifbar.

Denn die, die sich aufs Folgen beschränken, geben sich nicht allein mit der damit verbundenen Bequemlichkeit zufrieden. Sie werden es auch hämisch kommentieren, wenn du tatsächlich stolperst.

Das ist eben genau der Unterschied zwischen denen, die mitlaufen, und denen, die eine Vision haben und andere anleiten.

“Ein weiser Mann hat mir mal erzählt, dass Glück keine mystische Energie ist, die im Universum herumtanzt und zufällig irgendwelche Leute mit Zufriedenheit beschenkt. Du erschaffst dein eigenes Glück.” (Jay-Z, Rapper und Multimillionär)

Viele von uns glauben immer noch, Glück sei Zufall. Etwas, das zufällig vom Himmel herunterfällt und wahllos irgendwen trifft. Oder eben auch nicht. Hab ich nix mit zu tun. Ist Schicksal.

Lass dich von jemand, der sich mit Glück sehr gut auskennt, vom Gegenteil überzeugen. Hätte Shawn Carter alias Jay-Z in dem Ghetto, wo er aufgewachsen ist, einfach gewartet, würde er noch heute da sitzen. Oder im Gefängnis. Oder er wäre tot.

Er hat aber nicht gewartet. Er hat sein Glück in die eigenen Hände genommen, hat hart gearbeitet und niemals aufgegeben. Heute besitzt er umgerechnet etwa 820 Millionen Euro – ist also fast Milliardär.