Der vom Menschen verursachte Klimawandel beschäftigt viele. Und damit sind hier nicht diejenigen Verschwörungstheoretiker gemeint, die ihn nicht wahrhaben wollen. Dazu hat die weitaus überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler alles gesagt. Die seit rund 150 Jahren andauernde Industrialisierung und ihre Folgen haben einen nicht zu leugnenden Einfluss auf die globale Erwärmung.

Seine Existenz streitet niemand ab, der ein gewisses, gut begründetes Vertrauen in die Naturwissenschaft hat. Das gilt auch für die meisten Regierungen. Fast alle – von einige, sagen wir mal, Exzentrikern abgesehen – sind sich einig: Es muss etwas geschehen. Nur: Was?

Das Paradoxe ist: Die Lösungen liegen alle auf dem Tisch. Die meisten Beteiligten kennen sie. Und akzeptieren sie. Passieren tut jedoch: Wenig. Wie kann das sein? Das Bewusstsein für das Problem ist da. Vorschläge zur Lösung ebenfalls. Aber niemand bewegt sich.

Kein Mysterium

Diese vermeintliche Widersprüchlichkeit hat natürlich ihre Ursachen. Sie ist kein Mysterium, sondern durchaus rational und logisch erklärbar. Ein Hauptgrund dürfte sein, dass es in der Geschichte der Menschheit ein ähnliches Problem bisher nie gegeben hat – jedenfalls nach allem, was wir über unsere Vorfahren wissen. Noch nie war es nötig, zur Beseitigung eines Problems die Kooperation aller oder doch der allermeisten Staaten weltweit zur erwirken.

Doch das ist noch nicht alles. Der Teufel steckt im Detail. Zum Beispiel in folgendem: Die am höchsten entwickelten Länder tragen am meisten zum Klimawandel bei, werden aber allen Prognosen zufolge am wenigsten mit den Auswirkungen zu kämpfen haben. Das senkt natürlich ihre Bereitschaft, harte Maßnahmen zu treffen.

Und es kommt noch schlimmer – oder wenigstens komplizierter. In ihrem Versuch, das Niveau der hochentwickelten Länder zu erreichen, können die unterentwickelten Länder kaum auf innovative, klimafreundliche Technologie zurückgreifen. Sie haben schlicht nicht die Mittel dafür. Ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist.

Pessimistisch oder optimistisch?

Was könnte den Durchbruch bringen? Darauf gibt es (mindestens) zwei mögliche Antworten. Eine pessimistische, die besagt, dass es erst zu großen Katastrophen kommen muss, die vielen Menschen anschaulich machen, wie der Klimawandel ganz konkret ihre Lebensqualität bedroht. Das ist in der Konsequenz allerdings zynisch. Es bedeutet so viel wie: Sollen ruhig ein paar verheerende Sturmfluten kommen, die tausende Menschenleben fordern – Hauptsache, die Leute wachen endlich auf.

Das ist unschwer als die typisch deutsche, schwermütige Variante erkennbar. Eine positive Antwort dagegen lautet: Innovation. Nicht Schadensbegrenzung, sondern ein offensiver, mutiger Umgang mit dem Thema. Denken wir nur an Elon Musk und Tesla. Trotz aller Schwierigkeiten, die der Autohersteller noch haben mag, kann genau in dieser Herangehensweise die Lösung bestehen. Unternehmergeist ist das mit Abstand produktivste, das wir in den letzten Jahrzehnten, ach was, Jahrhunderten erlebt haben. Wahrscheinlich ist es am besten, auch dieses Mal darauf zu vertrauen.

 

 

Private Wohltätigkeit ist unbestreitbar ein Trend. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es mehr gemeinnützige Stiftungen, die in mehr Ländern über mehr Mittel verfügen, als jemals zuvor. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren des Buchs “Global Civil Society”. Die britische Zeitschrift The Economist sah vor einigen Jahren sogar ein “goldenes Zeitalter der Philanthropie” anbrechen.

Zeitgleich zur Spendenbereitschaft des kleinen Mannes wächst auch die derer, die einen etwas größeren Geldbeutel ihr Eigen nennen. So hat Bill Gates Stand jetzt fast 30 Milliarden Dollar in seine Gates Foundation gesteckt. Und nicht nur das: Laut eigener Aussage will Gates bis zu seinem Tod 90 bis 95 Prozent seines Gesamtvermögens spenden. Seine Kinder werden nur 0.02 Prozent davon erben – nun gut, das sind immer noch 10 Millionen Dollar.

Darüberhinaus legt Gates auch Wert darauf, andere zum spenden zu animieren – nicht den einfachen Mann von der Straße, sondern die, die es sich leisten können. So startete er zusammen mit Investorenlegende Warren Buffett 2010 die Initiative The Giving Pledge – vier Jahre später hatten sich dieser Wohltätigkeitsorganisation laut Forbes über 100 US-Milliardäre angeschlossen.

Zu persönliche Brille?

Die Bereitschaft und der Wille, mit dem erworbenen Vermögen denen zu helfen, die womöglich unverschuldet zu wenig zum leben haben, ist also da – mit steigender Tendenz. Alles gut und schön, könnte man meinen. Es gibt allerdings auch Kritiker.

Diese beziehen sich meist darauf, dass Wohltätigkeit so der Willkür von einigen wenigen Superreichen unterliegt. Vereinfacht gesagt unterstellen sie Menschen wie Gates, dass diese etwa als Reaktion auf eine Krebserkrankung ihrer Frau sehr viel Geld an die Krebsforschung spenden könnten. Andere behaupten, dass nicht alle Projekte der Stiftungen so wohltätig seien wie es auf den ersten Blick wirke. Vielmehr verträten die Spender handfeste wirtschaftliche Eigeninteressen.

Keine Ausreden für Untätigkeit

Das mag sogar sein. Dennoch kann niemand bestreiten, dass die Aktivitäten der Gates Foundation im Bereich Gesundheit handfeste Erfolge bewirkt haben. Ob dies Initiativen auf staatlicher Ebene, die die Kritiker privater Wohltätigkeit fordern, auch gelingen könnte, darf sehr wohl ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Was Effektivität und Effizienz angeht, sind staatliche Institutionen den Beweis ihrer Überlegenheit gegenüber (oder auch nur Gleichwertigkeit mit) privaten Investoren bisher leider schuldig geblieben.

So ist die großzügige Spendenbereitschaft unter vielen Millionären und Milliardären auch einer gewissen Ungeduld geschuldet. Seit Jahrzehnten reden Politiker über die Probleme der Welt: Gesundheit, Armut, Hunger. Doch passiert ist so gut wie nichts. Die Untätigkeit – und in vielen Fällen wohl auch Unfähigkeit . der Regierungen bewegt erfolgreiche Unternehmer dazu, selbst aktiv werden zu wollen.

Natürlich setzen sie dabei Prioritäten. Das kann man ihnen vorwerfen – oder man kann einsehen, dass auch staatliche Stellen keineswegs neutral oder unabhängig vorgehen. Eigene Interessen oder Vorlieben können bei keiner Form der Wohltätigkeit ganz und gar vermieden werden. Daher ist es viel wichtiger, dass überhaupt etwas unternommen wird.Und wer könnte das besser gewährleisten als jemand, der ein weltweit erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat?

Wie klingt das: Arbeiten, arbeiten, arbeiten, sparen, sparen, sparen – und mit 40 in Rente gehen? Die Antwort auf diese Frage wird je nach Temperament und Charakter des Befragten unterschiedlich ausfallen. Für die einen mag es wie das Paradies erscheinen. Andere bekommen angesichts der Vorstellung, ab der Hälfte des Lebens plötzlich nur noch Freizeit zu haben, womöglich Beklemmungen.

Jedenfalls gibt es dieses Lebensmodell. Es hat sogar einen Namen: Frugalismus. Das leitet sich von frugal ab, was sich mit “bescheiden, mäßig” übersetzen lässt. Frugalisten leben sparsam. Einen großen Teil ihres Einkommens geben sie nicht aus, sondern sparen ihn für später. Wobei sparen meist das falsche Wort ist: Sie investieren ihn, oft in langfristige Anlageformen wie Investment- oder Indexfonds.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Anstatt sich also von den Früchten ihrer Arbeit gleich etwas zu gönnen – einen spontanen Trip auf die Malediven, eine sündhaft teure Armbanduhr oder ein kostspieliges Essen in einem Sternerestaurant – setzen Frugalisten auf die nahe Zukunft. Sie leben in der Gewissheit, schon mit Anfang oder Mitte 40 nicht mehr arbeiten zu müssen.

Es klingt fast ein wenig religiös: Erst verzichten, bescheiden sein und fleißig – und als Belohnung dann das Paradies. Doch die meisten Frugalisten sind weder religiös angehauchte Spinner noch verklemmte, lustfeindliche Geizkragen. Sie rechnen nüchtern aus, wie sie es schaffen, schon ab der Mitte des Lebens nicht mehr auf regelmäßige Lohn- oder Gehaltszahlungen angewiesen zu sein. Im Grunde streben sie nach einem menschlichen Urtraum. Dem Wunsch, unabhängig zu sein. Keinen Chef mehr über sich zu haben, keine Angestellten unter sich, keine Verantwortung, außer für sich selbst.

Folge des globalen Finanz- und Wirtschaftskrise

In ihrer Vorgehensweise, nicht so viel wie nur irgend möglich an Besitz anzusammeln, sondern im Gegenteil sparsam und bescheiden zu sein, spiegelt sich eine gewisse Skepsis wider. Eine Skepsis, die nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 recht weit verbreitet ist. Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg schrumpfte das reale Bruttoinlandsprodukt der Industriestaaten. Das gab Ahnung davon, dass materieller Wohlstand nicht immer die Sicherheit gewährt, die man ihm gemeinhin zuschreibt. Dass letztlich alles vergänglich ist und selbst immens große Vermögen in wenigen Sekunden verschwunden sein können.

Mit dieser Erkenntnis kann man zu ganz unterschiedlichen Lösungsansätzen kommen. Anstatt in Fatalismus und apokalyptische Untergangsphantasien zu verfallen, kalkulieren die Frugalisten ganz rational, wie sie mit dieser nicht vermeidbaren Unsicherheit umgehen. Sie entscheiden sich dafür, auf der Basis von Wahrscheinlichkeit das beste Ergebnis herauszuholen. Allemal ein produktiver, aktiver Ansatz.

Nicht für jeden etwas

Freilich erfordert diese Herangehensweise gewisse Voraussetzungen. Disziplin, Verzicht und die Bereitschaft, vorauszudenken, statt nur im Augenblick zu leben – all das muss ein erfolgreicher Frugalist mitbringen. Außerdem braucht er ein gewisses Grundwissen, was Geldanlagen angeht. Oder einen sehr guten Berater, der allerdings nicht teuer sein darf.

Und noch eine andere Frage stellt sich in diesem Zusammenhang: Will ich überhaupt mit 40 aufhören zu arbeiten? Anstatt zu sparen, wo es geht, kann man ja auch seine Energie darauf verwenden, eine Tätigkeit zu finden, die einen so erfüllt, dass die Vorstellung von Rente eher abschreckend als verlockend wirkt. Wie eingangs erwähnt, ist es letztlich eine Frage des Temperaments und des Charakters, ob Frugalismus einem als die Lösung aller Probleme oder nur als vorübergehender Hype erscheint.